Jeffrey Jamaleldine
Montag 1. Dezember 2008 von Marcel Naranjo Lederich
„Der Krieger aus Spandau“ betitelte „Der Spiegel“ einen 26-seitigen Bericht über einen ehemaligen Schüler der MBO, der für Amerika in den Krieg im Iran zog. Die Geschichte hinter der Geschichte ist folgende:
Jeffrey‘s Mutter ist Deutsche, der Vater stammt aus Gambia. Er kam als „British subject“ – also als britischer Staatsbürger- nach Deutschland, als er vor dem Bürgerkrieg in Sierra Leone fliehen musste. Sein Großvater war Syrer, seine Großmutter stammte aus Ghana, damals Goldküste.Geboren wurde er in den vierziger Jahren in Gambia als jüngstes von 6 Kindern. Kein Wunder, dass Jeffrey seit frühester Kindheit ein Leben zwischen Ländern und Kulturen führte.
In Spandau besuchte er die Grundschule „Am Birkenhain“ und wechselte dann auf die MBO, auf der er 1995 sein Abitur machte. Direkt nach der Schule wurde er mit „eins“ gemustert und machte mit 18/19 zehn Monate Wehrdienst beim Jägerbatallion in Kladow.
Mit 20 bewarb er sich erfolgreich um ein Sportstipendium am Missouri Southern State College in den USA . Er spielte Football und studierte, schloss erst als Bachelor und später als Master in Betriebswirtschaft ab. Danach zog er nach Little Rock/Arkansas, traf dort seine spätere Frau Zuhaira. Sie hatten bald den ersten Sohn, es war kein leichtes Leben. Er verkaufte Autos, er kellnerte, trat in Löwen-Kostümen als Maskottchen von Basketballteams auf, arbeitete in Spielcasinos. Er hatte Familie.
Die Terroranschläge September, 11, 2001, in Djerba 2002, auf Bali, in Istanbul 2003 und Madrid 2004 erschütterten ihn und veränderten sein Leben. Er sagte, er wollte nicht mehr zu den Leuten gehören, die in den Kneipen große Reden schwingen, aber nichts tun. Er wollte nicht länger Zuschauer sein.Er stellte Fragen“ Was tust Du dafür, dass es Frieden gibt?“
Als er sich 2005 bei der amerikanischen Armee für den Einsatz im Irak meldete, staunten die Rekrutierer über seine Werte. Sein Musterungsgrad besteht aus sechs Einsen, dem perfekten Score.Jeff ist Elite nach allen Kriterien. Sein Dienstkürzel ist 19-Delta, das bezeichnet die harten Typen, Aufklärer in den feindlichen Linien, Späher in vorderster Front.
2006, als er schon im Krieg war, nutzte er einen Urlaub, um die US-Staatsbürgerschaft anzunehmen. Für ihn war dies ein logischer Schritt. Dabei war auch er in seiner Jugend gegen Amerika auf die Straße gegangen. („Amerika, das war einfach der Feind“) Er ist überzeugt, im Irak für die gerechte Sache zu kämpfen. Zu seinem Vater sagt er „ Wie lange, glaubst Du, kannst Du noch bei Kranzler ruhig Kaffeee trinken, wenn es Leute wie mich nicht geben würde?“
Seine Frau Zuhaira ist der Krieg verhasst, jede Form von Gewalt. Es fällt ihr schwer, seine Haltung zu akzeptieren. „Er hat sudiert, er ist clever, er könnte überall gute Arbeit finden. Muss er ausgerechnet zur Army gehen?“
Jeff findet seine Bezahlung gut, 10 Prozent spendet er direkt an Unicef per Dauerauftrag. Es ist, als ginge es in seinem Leben darum, immer Vorbild zu sein, ein Held, auch im Alltag.
In der Nacht vom 30. Juni/1. Juli 2007 geriet Jeffrey in die Schlacht von Donkey Island, in der er fast gefallen wäre. Ein Projektil fuhr Jeffrey in den Mund, ein Stück davon platzte durch die linke Schläfe gleich wieder aus dem Kopf hinaus. Nur dem entschlossenen Einsatz eines Kameraden, der ihn mit einem 16-Millionen-Dollar Hubschrauber im Tiefflug unter Todesgefahr ausflog, verdankt er sein Leben. Er hat bereits mehrere Operationen hinter sich „Noch zwei, drei Operationen, und dann 2009, bin ich wieder der Alte.“ Obwohl er zweimal fast gefallen wäre, kann er sich neue Kampfaufträge vorstellen, zum Beispiel in Afghanistan. „Der Feind ist noch ncht besiegt“. Aber vielleicht macht er doch sein Versprechen wahr und bewirbt sich um einen Schreibtisch-Job. Der Krieg steht oft zwischen ihm und diesem anderen Leben, wenn es Streit gibt mit Zuhaira oder seinem Vater. Mittlerweile hat Jeffrey zwei Söhne, Aron und David. Vielleicht findet er zurück in ein friedlicheres Leben. Zur Zeit plant er außerdem an einer Doktorarbeit in Business. Die weitere berufliche und persönliche Entwicklung scheint offen zu sein. Vielleicht Berater? Vielleicht eine Karriere in der Armee? „Vielleicht hat aber auch der neue amerikanische Präsident eine Aufgabe für mich“ Er sagt „ Sie wollten doch auch nicht immer Englischlehrer bleiben und sind Schulleiter geworden.“ Dieser Logik kann man sich nur schwer entziehen.
Der MBO bleiben die Jamaleldines eng verbunden. Sein Bruder James besuchte bereits die MBO und im nächsten Jahr soll sein jüngster Bruder Jermaine folgen. Im Januar war Jeffrey gerade wieder beim Ehemaligentreffen in der MBO.
Der Text ist eine starke Kürzung des o.g. Spiegel-Artikels von 10/2008 (Elmar Kampmann)
Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 1. Dezember 2008 um 11:48 und abgelegt unter news. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Dienstag 7. April 2009 um 12:42
Der MBO bleiben die Jamaleldines eng verbunden. Sein Bruder James besuchte bereits die MBO und im nächsten Jahr soll sein jüngster Bruder Jermaine folgen. Im Januar war Jeffrey gerade wieder beim Ehemaligentreffen in der MBO.
Nur sehr Schade / ENTÄUSCHENT, dass unser kl. Bruder Jermaine NICHT angenommen wurde!